{"id":335,"date":"2026-01-30T12:26:13","date_gmt":"2026-01-30T11:26:13","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.2.218\/?p=335"},"modified":"2026-01-30T12:26:13","modified_gmt":"2026-01-30T11:26:13","slug":"ergaenzende-gedanken-zu-migration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.mgeminn.ddnss.de\/?p=335","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzende Gedanken zu Migration"},"content":{"rendered":"\n<p>Erg\u00e4nzend zum Artikel <a href=\"http:\/\/192.168.2.218\/?p=321\">http:\/\/192.168.2.218\/?p=321<\/a> hier ein paar weiterf\u00fchrende Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00f6re h\u00e4ufig: &#8222;Die Fl\u00fcchtlinge sind schuld!&#8220;, und zwar an allem!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer das so behauptet, macht es sich etwas zu einfach: Es gibt viele Aufgaben und viele &#8222;Schieflagen&#8220; vor uns, und daf\u00fcr gibt es vielf\u00e4ltige Gr\u00fcnde. Ich habe weder die Absicht noch die erforderlichen Kenntnisse, all diese Gr\u00fcnde hier zu analysieren. Statt dessen mache ich mir ein paar Gedanken zum Thema Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche propagieren die Abschiebung aller Ausl\u00e4nder (zuweilen von einer ganz bestimmten Ecke auch als &#8222;Remigration&#8220; bezeichnet) und sofortiges Einreiseverbot f\u00fcr weitere Fl\u00fcchtlinge als DIE L\u00f6sung aller Probleme. Das ist nat\u00fcrlich Unsinn:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Viele Bereiche unserer Gesellschaft, insbesondere (aber nicht nur) die Bereiche Pflege und Medizin, w\u00e4ren ohne die hier arbeitenden ausl\u00e4ndischen Fachkr\u00e4fte nur noch bedingt oder gar nicht mehr arbeitsf\u00e4hig.<\/li>\n\n\n\n<li>Nat\u00fcrlich gibt es unter unseren ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrgern schwarze Schafe. Die gibt es \u00fcberall, auch unter den so genannten &#8222;Bio-Deutschen&#8220; (schon das Wort w\u00e4re l\u00e4cherlich, wenn die rassistischen Folgen solcher \u00c4u\u00dferungen nicht so gef\u00e4hrlich w\u00e4ren). Die Mehrheit besteht aber aus friedlichen Menschen, die sich hier ein besseres Leben als in der Heimat versprechen (hier soll nicht beurteilt werden, ob es dabei um Krieg, Verfolgung oder rein wirtschaftliche Interessen geht). Diese Mehrheit ist gewillt, sich den hier herrschenden Gesetzen und Regeln unterzuordnen und ihren Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft zu leisten.<\/li>\n\n\n\n<li>Wer ist denn eigentlich ein Fl\u00fcchtling oder ein Migrant? Das muss denn doch etwas detaillierter betrachtet werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Wir alle, oder vielmehr unsere Vorfahren, stammen nach heutigem Wissensstand aus Ost-Afrika: als vor einigen Millionen Jahren sich der Ostafrikanische Grabenbruch \u00f6ffnete, wurde das Klima \u00f6stlich davon zunehmend trockener. Die dichte Bewaldung verschwand und machte einer weiten Steppenlandschaft Platz. Um diese Weiten besser \u00fcberblicken (zum Schutz vor Raubtieren) zu k\u00f6nnen, erwies sich der aufrechte Gang als vorteilhaft: die Entwicklung des Menschen begann.<\/p>\n\n\n\n<p>Von hier aus begann die Menschheit, in mindestens 2 Wellen \u00fcber den Nahen Osten in Richtung Europa und weitere Teile der Welt zu wandern (1. Welle: Neandertaler und Verwandte Species, 2. Welle Homo Sapiens). Dabei folgten sie wohl ihren Nahrungsquellen, waren also Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge.<\/p>\n\n\n\n<p>So gesehen sind wir also alle Nachfahren von Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen (siehe &#8222;Bio-Deutsche&#8220;). Wenn wir also alle Fl\u00fcchtlinge &#8222;remigrieren&#8220; wollen, wird es in Ostafrika ziemlich voll. Ich frage mich, ob das denjenigen klar, ist die so was fordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun werden eben diese Leute sagen: &#8222;Ja so weit zur\u00fcck nat\u00fcrlich nicht!&#8220;. Da frage ich mal frech: ja wie weit zur\u00fcck denn dann? Bis zu Merkels ber\u00fchmtem &#8222;Wir schaffen das&#8220;, also etwa 2015? Oder vielleicht eher bis zur\u00fcck in die Zeit, nachdem Deutschland im Ausland nach Arbeitskr\u00e4ften gesucht hat (&#8222;Gastarbeiter&#8220;), also irgendwo in die 70er Jahre? Und wer ma\u00dft sich das Recht an, eine solche Zeit festzulegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage nach der &#8222;richtigen&#8220; Zeitspanne gibt es wohl so viele Antworten wie Interessen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Frage ich einen Nazi, w\u00fcnscht er sich vielleicht ein Deutschland in den Grenzen von 1942.<\/li>\n\n\n\n<li>Frage ich einen &#8222;Reichsb\u00fcrger&#8220;, geht es vielleicht ins Wilhelminische Kaiserreich zur\u00fcck.<\/li>\n\n\n\n<li>Frage ich in Pal\u00e4stina nach, gibt es mindestens 2 M\u00f6glichkeiten:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Vor 1948, also bevor Israel ausgerufen wurde, um Millionen Menschen j\u00fcdischen Glaubens aus aller Welt eine neue Heimat zu geben.<\/li>\n\n\n\n<li>Noch weiter vor, bevor europ\u00e4ische Staaten im Rahmen der Kolonialisierungen auch diese Gegenden annektierten.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li>Frage ich die &#8222;Native Americans&#8220;, hei\u00dft es wahrscheinlich &#8222;vor der Ankunft der Europ\u00e4er&#8220; also etwa 500 Jahre zur\u00fcck (abgelehnt: dann h\u00e4tten wir mit Trump zu k\u00e4mpfen! \ud83d\ude42 ).<\/li>\n\n\n\n<li>G\u00e4be es die Alten R\u00f6mer noch, w\u00fcrden sie wohl in die Zeit vor den V\u00f6lkerwanderungen im 4. und 5. nachchristlichen Jahrhundert zur\u00fcck wollen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die von diesen R\u00f6mern besiegten V\u00f6lker gingen wohl lieber ein paar Jahrhunderte weiter zur\u00fcck, bevor sie ins &#8222;R\u00f6mische Reich&#8220; assimiliert wurden.<\/li>\n\n\n\n<li>Afrikanische V\u00f6lker w\u00fcnschen sich wahrscheinlich zur\u00fcck in eine Zeit vor der Ausbeutung durch europ\u00e4ische M\u00e4chte, also vor der Zeit der Kolonialisierungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Hier k\u00f6nnte aber auch die Zeit vor der Verschleppung von Millionen Menschen als Sklaven in die &#8222;Neue Welt&#8220; eine Antwort sein.<\/li>\n\n\n\n<li>&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Liste kann niemals vollst\u00e4ndig sein. Aber sie zeigt uns: <strong>Migration gibt es seit es Menschen gibt, wir k\u00f6nnen sie nicht aufhalten!<\/strong> Und sie wird das Leben der betroffenen Menschen beeinflussen oder sogar grundlegend \u00e4ndern, sowohl das der Wandernden als auch das derer, in deren &#8222;angestammte Heimat&#8220; (gibt es nicht wie wir gerade gelernt haben) eingewandert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Einzige was uns bleibt ist, m\u00f6glichst friedlich und respektvoll miteinander umzugehen, und zwar in beiden Richtungen! Es ist verst\u00e4ndlich, dass man das Bekannte (in dem es einem gut ging) so lange wie m\u00f6glich erhalten m\u00f6chte. Am Ende wird aber die Aufteilung der Welt, so wie wir in ihr aufgewachsen sind, nicht mehr existieren. Diese &#8222;Umordnung&#8220; k\u00f6nnte gerade in der jetzigen Zeit voll im Gange sein:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufteilung in &#8222;Ost&#8220; und &#8222;West&#8220; aus dem Kalten Krieg gibt es so nicht mehr. Der Warschauer Pakt ist schon lange Geschichte. Mit D. J. Trump an der Spitze der USA steht die NATO vor einer Umstrukturierung, wenn nicht sogar vor dem Verfall. China wird in der heutigen Zeit immer wichtiger: nicht (wie lange bef\u00fcrchtet) milit\u00e4risch, sondern vor allem wirtschaftlich. China sichert sich zeitgleich auch gro\u00dfen Einfluss in anderen Teilen der Welt, wie zum Beispiel in Afrika.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Umfeld ist Europa aufgefordert, sich von den USA unabh\u00e4ngiger zu machen. Allerdings darf Europa dabei nicht in andere Abh\u00e4ngigkeiten rutschen! Die St\u00e4rke Europas liegt in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft, hier sollte es seine Bem\u00fchungen um eine gr\u00f6\u00dfere Rolle in der Welt konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Putins \u00dcberfall auf die Ukraine zeigt uns dass auch milit\u00e4rische Konflikte jederzeit auftreten k\u00f6nnen. Auch die Verteidigung Europas gegen milit\u00e4rische Interventionen muss daher von den USA unabh\u00e4ngiger und insgesamt deutlich gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt sollte sich Europa vielleicht als 3. Pol neben den USA und China etablieren (ein Gedanke, den ich schon als Sch\u00fcler im Geschichtsunterricht bei Herrn Breitenborn Anfang der 80er Jahre ge\u00e4u\u00dfert habe). Dabei sollte Europa durch entsprechende Vereinbarungen mit m\u00f6glichst vielen Partnern in der ganzen Welt seine Position festigen. Entsprechende Bem\u00fchungen sind gerade in Arbeit (MERCOSUR mit S\u00fcdamerika, Abkommen mit Indien). Meiner Meinung nach sollten hier auch Vereinbarungen mit afrikanischen Partnern getroffen werden, aber nicht als &#8222;G\u00f6nner&#8220; im Rahmen von Entwicklungshilfe, sondern als gleichberechtigte Partner, die zum gegenseitigen Nutzen ihre Ressourcen und M\u00f6glichkeiten gemeinsam und einander erg\u00e4nzend nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch eine solche &#8222;neue Weltordnung&#8220; wird nat\u00fcrlich nicht ewig bestehen. Die Entwicklung wird weitergehen, und Entwicklung bedeutet nun mal Ver\u00e4nderung. Und bei solchen  Ver\u00e4nderungen wird es wohl immer Gewinner und Verlierer geben. Uns bleibt nur, die Entwicklung im Rahmen unserer M\u00f6glichkeiten so zu beeinflussen, dass wir zu den Gewinnern z\u00e4hlen und die Verlierer nicht all zu schlecht aus der Entwicklung hervorgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erg\u00e4nzend zum Artikel http:\/\/192.168.2.218\/?p=321 hier ein paar weiterf\u00fchrende Gedanken. 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