Seit einiger Zeit sehe ich im Facebook immer wieder Kommentare oder Posts, in denen offensichtlich politisch stark rechts orientierte Menschen das politische „rechts“ gleichsetzen mit „richtig“, während das politische „links“ als schlecht und falsch dargestellt wird.
Vollkommen unabhängig davon, welche politische Meinung man hat, ist hier vielleicht mal ein wenig Aufklärung angebracht. Na, dann versuche ich es mal.
Historisch kommt „rechts“ tatsächlich von „richtig“, allerdings hat das mit Politik absolut überhaupt nichts zu tun!
Zitat: „Platon glaubte, die rechte Seite unterscheide sich nicht von der linken und eine einseitige Erziehung zur Rechtshändigkeit sei anzuzweifeln. Optimal sei stattdessen eine gleichmäßige Schulung beider Seiten.
Im Gegensatz zu Platon war dessen Schüler Aristoteles der Auffassung, dass die Überlegenheit der rechten Hand von Natur aus gegeben sei. Er schloss die Erziehung als mögliche Ursache für Rechtshändigkeit aus und folglich jede Form der Linkshändigkeit. Mit dieser Meinung bezüglich der Händigkeit beeinflusste Aristoteles die Kultur Europas enorm. Im europäischen Raum verstärkte der Feudalismus des Mittelalters die Bevorzugung der rechten Seite.
Dies spiegelte sich beispielsweise in der Sitzordnung der Könige und ihren Untertanen wieder, wobei sich die Günstlinge zur Rechten des Königs, die Bastarde und deren Söhne zur Linken des Königs befanden. So war auch die Bekreuzigung mit links ein Beweis für die Ketzerei einer Hexe. Allgemein galt die Linkshändigkeit im Mittelalter als etwas Teuflisches, wobei der Teufel selbst linkshändig war. Sein markantestes Merkmal war das Geigenspiel mit der linken Hand (siehe Anhang Abb. 1). Gebrauchte man also die linke Hand, so wurde man auf dem Scheiterhaufen verbrannt.“ Zitat Ende, kopiert aus https://www.linkshaender-fakten.de/seminararbeiten-linkshaendigkeit/linkshaendigkeit-minderheitenphaenomen-oder-nicht-erkannte-normalitaet/links-und-rechts-in-der-wahrnehmung-des-menschen-102014/historischer-ueberblick-102014/
Laut Aristoteles ist also die rechte Hand die starke und geschickte Hand, die linke die weniger Starke und Geschickte. Die rechte Hand wäre demnach zu bevorzugen.
Obwohl es bei den Alten Griechen schon die Demokratie gab, hat das aber überhaupt nichts mit politischen Richtungen zu tun. Die heutige Bedeutung in politischer Hinsicht kommt erst sehr viel später, nämlich frühestens mit den Demokratie-Bewegungen im Europa des 18. Jahrhunderts.
In deutschen Parlamenten saßen und sitzen aus Sicht des Redners die konservativen Kräfte auf der rechten Seite, die sozialistischen Kräfte auf der linken. Ob dies angelehnt ist an die oben erwähnte Sitzordnung bei den Königen des Mittelalters? Ich weiß es nicht, könnte es mir aber vorstellen. Ebenso weiß ich nicht, ob ähnliche Sitzordnungen auch in anderen Parlamenten existieren.
Die heute in Deutschland übliche Unterscheidung (oder vielmehr Benennung) politischer Ansichten und Bestrebungen in „rechts“ und „links“ stammt also rein aus der Sitzordnung im Plenarsaal und ist keineswegs in irgendeiner Form bewertend! Auch gibt es diese Benennung keineswegs in allen Demokratien der Welt: so gibt es zum Beispiel in Großbritannien „Tories“ (eher konservativ) und „Labour“ (eher sozialistisch). In den USA gibt es eher konservative Republikaner und eher soziale Demokraten (wenn diese Klassifizierung auch sehr stark vereinfacht und nicht ganz korrekt ist). Hier ist auch die Farbgebung der Parteien anders als bei uns: rot steht für Republikaner, während die Farbe der Demokraten blau ist.
Aus den Einordnungen rechts und links historisch irgendeine Bewertung abzuleiten, ist also reiner Unfug!
Meiner Meinung nach haben beide Richtungen ihre Vor- und Nachteile, aber es ist wie so oft: All zu viel ist ungesund, soll heißen wenn es extrem oder sogar radikal wird ist es nicht mehr gut, egal ob rechts oder links.
Schreibe einen Kommentar